20 km sind zu weit - kein Verweis auf günstigere Reparaturwerkstatt

AG Osnabrück 12.09.2013 - Aktenzeichen 13 C 68/13 (10)

Wer Geschädigter bei einem Verkehrsunfall ist, kann grundsätzlich entscheiden, das beschädigte Fahrzeug in einer Markenwerkstatt reparieren zu lassen, die Reparatur selber vorzunehmen oder das Fahrzeug unrepariert zu lassen. In diesem letzten Fall wird der Schaden dann “fiktiv” nach dem eingeholten Sachverständigengutachten abgerechnet. Ärger mit der Versicherung des Unfallgegners ist vorprogrammiert, denn die Versicherer verweisen den Geschädigten immer wieder gerne auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit in einer freien Werkstatt und kürzen die vom Sachverständigen ermittelten Reparaturkosten.

Mit einem solchen Fall hatte sich auch das Amtsgericht Osnabrück zu befassen. Das Fahrzeug der Klägerin wurde bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall beschädigt. Das eingeholte Sachverständigengutachten setzte die Lohnkosten an, die in einer Markenwerkstatt üblicherweise anfallen. Der Versicherer kürzte diese Kosten und verwies die Klägerin auf die Möglichkeit, ihr Fahrzeug in einer freien Werkstatt reparieren zu lassen.

Der Klage auf Erstattung der gekürzten Reparaturkosten hat das Amtsgericht Osnabrück stattgegeben mit der Begründung, die Klägerin brauche sich nicht auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit verweisen zu lassen. Am Wohnort der Klägerin gebe es gerichtsbekannt eine Fachwerkstatt in räumlicher Nähe zum Wohnort der Klägerin. Eine Fahrt zu den von der beklagten Versicherung genannten freien Werkstätten mit einer Entfernung von 17 bzw. 20 km sei der Klägerin nicht zuzumuten. Hieran könne sich allenfalls dann etwas ändern, wenn die Versicherung der Klägerin bereits mit Übersendung des Prüfberichtes mitteilt, dass seitens der freien Werkstätten ein kostenloser Hol- und Bringservice angeboten wird. Im zu entscheidenden Fall war dieser Hinweis allerdings erst im gerichtlichen Verfahren erfolgt und damit zu spät. Der Verweis auf eine markenungebundene Werkstatt war damit unwirksam.

Die beklagte Versicherung muss die gekürzten Positionen nachentrichten.