Keine Verpflichtung zu voller Berufstätigkeit nach zehn Jahren „Hausfrauenehe“

Oberlandesgericht Düsseldorf vom 29.10.2009 – Az: II-7 UF 88/09

Eine getrennt lebende Ehefrau mit solider Ausbildung, die ein zehnjähriges Kind betreut, muss lediglich halbtags berufstätig sein. Voraussetzung ist, dass sie während der Ehe nicht berufstätig war und die Parteien dank des guten Einkommens des Ehemannes in guten Verhältnissen leben.

Das seit 1998 verheiratete Paar hatte zum Zeitpunkt der Trennung 2007 einen neunjährigen Sohn. Die Ehefrau war Industriekauffrau und hatte während er Ehe noch eine Zusatzausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin absolviert, war jedoch nicht mehr berufstätig. Vor Gericht stritt das frühere Paar um die Höhe der Unterhaltszahlungen. Der Mann war der Meinung, die Frau sei verpflichtet, eine Vollzeittätigkeit aufzunehmen.

Die Richter entschieden anders. Sie sahen die Frau lediglich zu einer Halbtagstätigkeit verpflichtet, obwohl das Gesetz grundsätzlich eine Verpflichtung zur Vollerwerbstätigkeit des betreuenden Elternteils vorsieht, wenn das Kind älter als drei Jahre ist. Die früheren Ehepartner hätten mehr als zehn Jahre eine "Alleinverdienerehe" mit klarer Rollenverteilung geführt: Vollzeittätigkeit des Beklagten und Kinderbetreuung und Haushaltsführung der Klägerin. Diese Lebensplanung habe sich während der länger als zehn Jahre dauernden Ehe verfestigt. Mit der Trennung müssten nun beide Partner einen neuen Weg beschreiten. Für die Frau bedeute dies, dass sie sich auch finanziell vom Beklagten lösen und langsam wieder anfangen müsse, finanziell auf eigenen Füßen zu stehen. Vor dem Hintergrund der während der Ehe praktizierten Rollenverteilung sei ihr dies aber nur in kleinen Schritten zuzumuten. Hierfür habe der Gesetzgeber die Möglichkeit geschaffen, die Dauer des Unterhaltsanspruchs aus Gründen der nachehelichen Solidarität zu verlängern.